Allgemein

Eine ganz besondere Reise nach Rom

8. Februar 2017

Am 01.01.2017 hieß es für mich ganz früh morgens: auf nach Rom! Dieser Trip war schon länger geplant, denn wir wollten endlich die Familie meines Ex-Freundes, welche zum Teil noch in Italien lebt, besuchen. Ja, ich erzähle jetzt über meinen Ex-Freund, ich hoffe, das ist ok? Aber ich will euch diesen wunderschönen Trip nicht vorenthalten! Für mich war es das erste Mal, dass ich den Rest seiner Familie kennenlerne und dementsprechend war ich auch ein wenig nervös! Doch er war ebenfalls etwas aufgeregt, schließlich war auch er seit 9 Jahren nicht mehr unten gewesen – Schande über sein Haupt! Unser Flug startete gegen 11:20 Uhr in Köln und gegen 13 Uhr landeten wir in Ciampino (Rom). Gott sei Dank wurden wir direkt von dem Großonkel meines Ex-Freundes, dessen Sohn und Enkel abgeholt, da wir mit dem Auto noch eine gute halbe Stunde bis zu deren Haus fahren mussten. An dem Tag hatten wir in Köln sage und schreibe -5 °C und als wir landeten (ich lüge nicht) waren es sonnige 14 Grad! Meine dicke Winterjacke konnte ich also sofort wieder in den Kofferraum packen und mir dafür meine Sonnenbrille aufsetzen. Mein Ex und ich fuhren mit dem Sohn seines Großonkels im Auto mit und die Kommunikation gestaltete sich zunächst ein wenig schwierig, da mein Ex so gut wie gar kein Italienisch spricht und nur ganz wenig versteht und ich es zwar in der Schule noch fließend sprechen konnte, dadurch dass ich es aber nicht weiter verfolgt habe auch ganz schnell wieder verlernt habe. Dazu kam noch die anfängliche Schüchternheit, beiderseits, wie das halt so ist! Aber auch das bekamen wir hin und wir konnten uns irgendwie mit Händen und Füßen verständigen. Angekommen im Haus, oder eher gesagt der Villa, war ich zunächst sprachlos und gleichzeitig gerührt von der Schönheit des Anwesens sowie der Offenheit und Gastfreundlichkeit des Restes der Familie. Und wie das in Italien so üblich ist, ging es direkt runter in die Küche und dann wurde erstmal ordentlich gegessen – zwei Teller Lasagne waren dabei nur die Vorspeise!

Am zweiten Tag haben wir direkt unsere Sachen in das Auto gepackt und sind zum nächstliegenden Strand gefahren, der ungefähr 15 Minuten von dem Haus entfernt war. Leider hat an diesem Tag die Sonne nicht so viel geschienen und es regnete zwischendurch. Dennoch war es wunderschön und entspannend, endlich wieder am Meer zu sein. Zusammen mit uns hielten sich ungefähr 10 Leute am Strand auf und wir konnten ungestört die Luft und die unendliche Weite des Meeres genießen! Das ist für mich der Inbegriff von Urlaub – Sand, Meer und Ruhe! Völlig begeistert und glücklich über den Vormittag am Meer ging es dann in den benachbarten Ort „Cisterna di Latina“, wo bis vor 3 Jahren noch die Urgroßmutter meines Ex-Freundes gelebt hat, welche aber nun, mit 99 Jahren, bei ihrer Tochter lebt und dort auch gepflegt wird, was sie sich meiner Meinung nach auch völlig verdient hat. Wir suchten uns dann ein schönes Café und bestellten uns zwei Paninis, da wir schon das üppige Abendessen im Kopf hatten! Hier muss ich mal kurz erwähnen, dass man in Italien nur ganz ganz selten frühstückt. Falls doch besteht dies aus Keksen, Kuchen und Espresso. Das war für mich als Frühstück-Liebhaberin erstmal ein kleiner Schock – wie soll ich den Tag überleben? Aber ich muss sagen, selbst daran kann man sich gewöhnen, wer hätte das gedacht! So ging also auch der zweite Tag mit einem ausgedehnten Abendmal zu Ende und wir fielen tot müde ins Bett.

Am dritten Tag, Dienstag, ging es für uns schon ganz früh auf eine ganz besondere und emotionale Reise. Wir hatten uns vorgenommen, die restliche Familie meines Ex-Freundes in den tiefen Abruzzen zu besuchen, da er diese seit 22 Jahren nicht mehr gesehen hatte und sich somit quasi auch gar nicht an sie erinnert, da er ja noch ein Kind war. Wir fuhren also um 8 Uhr morgens los mit dem kleinen Renault Clio des Großonkels und einem Zettel, auf dem er uns den Weg beschrieben hatte, anhand von 8 Städten, die wir anpeilen sollten. Ich glaube das war der abenteuerlichste Trip den ich jemals gemacht habe! Er fing eigentlich ganz lustig an, außer dass es an diesem Tag in strömen regnete. Insgesamt hatten wir knapp 200 km vor uns, was einem auf den ersten Blick nicht viel vorkommt. Dazu muss ich jedoch sagen, dass von diesen 200 km nur 40 km auf der Autobahn gefahren werden konnten. Den Rest der Strecke sind wir durch die tiefsten Serpentinen und an den steilsten Abgründen der Abruzzen entlang gefahren und ich untertreibe wenn ich sage, dass ich manchmal nicht wusste, ob wir heile wieder zurückkommen würden. Nach 4 1/2 Stunden Fahrt erreichten wir endlich das richtige Dorf, in 800 Metern Höhe, jedoch war das Haus einfach nicht auffindbar. Ich hatte Tränen in den Augen, ich wollte doch einfach nur aus diesem Auto raus und in ein sicheres Haus. Gott sei Dank trafen wir auf der Straße auf eine Frau, welche so wie der Zufall es wollte, zu der Familie gehörte und schon auf der Suche nach uns war. Sie war unglaublich erleichtert und freute sich so dolle uns zu sehen und führte uns somit direkt in deren Haus. Dort warteten schon sehnsüchtig 10 weitere Familienmitglieder auf uns und wir wurden mit weit offenen Armen empfangen. Natürlich wurde zunächst einmal gegessen, was mir in diesem Moment aber auch sehr gelegen kam, da ich durch die ganze Fahrt und diese Höhe dermaßen Kreislaufprobleme bekommen hatte, wie blöd. Nach dem Essen wurden wir von allen ausgequetscht, alles wollten sie von uns erfahren und ich glaube so oft wurde ich in meinem Leben noch nie innerhalb von 4 Stunden gedrückt und abgeknutscht. Im Hinblick darauf, dass wir gegen 17 Uhr wieder unsere Rückfahrt antreten mussten, da sie für den nächsten Tag heftigen Schneefall in den Abruzzen gemeldet hatten und wir es somit nicht riskieren konnten, dort zu übernachten, bot ein Großcousin meines Ex-Freundes an, mit uns eine Rundfahrt durch deren Heimat zu machen und uns im Schnelldurchgang alles zu zeigen und ein paar weitere Familienmitglieder zu besuchen. Ich merkte schnell, dass er einfach so unglaublich glücklich über unsere Anwesenheit war und gleichzeitig auch voller Stolz, uns seine Heimat vorstellen zu können. Solche Eindrücke werde ich nie wieder in meinem Leben bekommen, da bin ich mir sicher. Das Dorf der Familie lag hoch oben auf den Bergen, doch das Nachbardorf befand sich etwas weiter unten und lag quasi in den Felsen der Abruzzen. Diese Häuser, diese ganzen Farben und Formen und die massive Felswand rundum des Dorfes, das kann man nicht beschreiben. Er zeigte uns wunderschöne Kirchen, die berühmten Pasta-Fabriken, Wasserfälle sowie den Nationalpark der Abruzzen, wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus und er hörte auch nicht auf, uns alles liebevoll zu erklären. Nach einer guten Stunde war unsere Rundfahrt beendet und wir kehrten wieder zurück in deren Haus. Kurz bevor wir uns wieder auf den Weg machen wollten, nahm uns der Großcousin nochmal zur Seite und ging mit uns in das nebenstehende Haus. Ein  ganz kleines und sehr sehr altes Haus in dem man das Gefühl hatte, die Zeit wäre seit 60 Jahren stehengeblieben. Es war eiskalt, da es keine Heizung gab. Er bat uns, uns zu setzen und dann erklärte er uns, dass dies das Haus sei, in der die Großmutter meines Ex-Freundes, welche seit 40 Jahren in Deutschland lebt, mit ihrer Familie aufgewachsen sei. Sie hat ihre Familie ebenfalls seit 22 Jahren nicht mehr gesehen, da sie Angst vor dem Fliegen hat. Es tat uns unglaublich Leid, an diesem Abend wieder fahren zu müssen und es zerriss uns wirklich das Herz. Sie leben dort oben auf dem Berg und besitzen nicht viel, würden jedoch das letzte Hemd für uns geben, das nennt man Liebe!

Auch wenn ich mit meinem Ex-Freund nicht mehr zusammen bin, diese Reise war wunderschön und sie hat mich zutiefst bewegt!

Am darauffolgenden Tag, Mittwoch, fuhren wir endlich nach Rom, um all seine Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Ich war unglaublich gespannt und so froh, als wir endlich mit dem Zug ankamen. Ein anderer Großonkel meines Ex-Freundes hatte sich bereit erklärt, mit uns zu kommen und für uns den Tourguide zu spielen und uns alles genau zu erklären. Wie nett von ihm – danke Armando! Innerhalb von diesem einen Tag haben wir wirklich alle wichtigen und schönen Teile Roms gesehen und erlebt. Wir sind einmal um das Collosseum gelaufen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir standen hoch oben auf dem Monumento a Vittorio Emanuele II und hatten einen Blick über ganz Rom. Wir haben 2 Stunden angestanden um in den Petersdom zu kommen – das hat sich Gott sei Dank gelohnt! Und noch vieles vieles mehr. Insgesamt kann ich sagen, das von nun an Rom zu meinen Lieblingsstädten zählt und ich jederzeit wieder dorthin zurückkehren würde.

No Comments

Leave a Reply